Sara Heristchi, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Projekt
Schreibszene(n) der Depression in amerikanischer Gegenwartsliteratur

SaraVersteht man Depressionen als chemisches Ungleichgewicht im Gehirn, wie es der zeitgenössische Mythos um Prozac und Co. nahelegt, erscheint das nicht abreißende Interesse an Depressionsnarrativen widersprüchlich. Auf den ersten Blick stellt sich mir eine einfache Frage: Wie schreiben diejenigen, deren Beruf das Schreiben ist, also Journalisten, Akademiker und Schriftsteller über Depression? Daraus ergibt sich ein zentrales Paradox: Wie schreibt man über und mit Depression, wenn diese Erfahrung zugleich das Schreiben verhindert, und wie werden diese Widerstände schließlich überwunden? Depressionsmemoiren stützen sich auf lineare Narrative und vereinfachen die chronischen und zyklischen Erfahrungen der Depression dadurch, dass sie Depression als heilbare Krankheit darstellen. Dieser Aspekt wird besonders bei der Untersuchung von Interviews, Artikeln und öffentlichen Auftritten der Autoren deutlich. Als Fürsprecher eines nicht näher definierten Ideals ‚mentaler Gesundheit‘ und als Autorität der eigenen Depressionserfahrung verkörpern sie den Wunsch nach ‚Normalität‘. Welche Möglichkeiten gibt es, sich dieser Normativität zu entziehen und welche Antworten gibt die Literatur darauf? Interpretiert man Depression als biokulturelles Phänomen und soziale Pathologie, so ermöglicht dies, die individuellen Depressions-Schreibszenen mit den literarischen und emotionalen Feldern in Bezug zu setzen, in denen diese Narrative entstehen und präsentiert werden.

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